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Höhlen um Kronstadt



Höhlen um Kronstadt

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Milchsteinhöhle

In den Jahren 1945-50, als mein Vater als Zivilperson zur Zwangsarbeit nach Russland auf unbestimmte Zeit deportiert war, lernte ich an der Hand meines Großvaters meine Heimatstadt und die umliegende Bergwelt der Karpaten kennen.

So kamen wir auf den mit rotem Punkt auf weißem Feld markierten Weg, der aus der Schulerau auf den Schuler führt, auch zur Milchsteinhöhle.

Das war was einmaliges. Man konnte hier seinen Dolch fast bis zum Griff in die weiche Masse der Höhlenwand stoßen.



Wir lösten einige Stücke ab, die wir zu Hause der Oma als Quark zum kosten auf einem Teller präsentierten, da er davon sichtlich nicht zu unterscheiden war.

Auch fanden wir unter den Steinen versteinerte Knochen von Höhlenbären die vor 10.000 Jahren bei der letzten Eiszeit ausgestorben sind. Hier haben die Herrn Prox, Samhammer und Karl Zoor für das Burzenländer Museum, zwischen den zwei Weltkriegen, Höhlenbärenknochen ausgegraben.

Einen interessanten Fund hatten sie am Eingang der Höhle beim Salomonsfelsen gemacht wo sie eine geschliffene Steinaxt fanden in die das rundes Loch für den Stiel nur zur hälfte gebohrt war. Auch bei der Höhle der Rosenauer Klamm hatten sie prähistorische Funde gemacht.

Otata erzählte mir auch, dass in seiner Kindheit ein Höhlengang nach rechts geführt hätte, der nun verschüttet war. Von dem nahm man an, dass er bis nach Rosenau führte. Ein Märchen, welches meine jugendliche Fantasie beflügelte.

Als ich in einen Film über einen Nitroglyzerintransport die Sprengkraft dieses Explosivs gesehen hatte, lies mich der Gedanke nicht mehr los, mit Nitroglyzerin diesen - quasi verschütteten Gang -aufzusprengen.

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Nitroglyzerin!

Damit könnte man in der Schulerau den verschütteten Gang in der Milchsteinhöhle aufsprengen!

Schwefel und Salpetersäure zu besorgen, war für Butzi kein Problem. Das Glyzerin, das seine Mutter sich für die Hände gekauft hatte, musste her. Peter Heichel war mit von der Partie.

Da außer uns niemand zu Hause war, stellten wir den Küchentisch vorsorglich vor das Haus, stellten die Chemikalien bereit und als der letzte Tropfen im Probierglas war, fanden wir drei uns in Deckung unter dem Tisch wieder. Das Herz pochte uns bis zum Hals.

Und jetzt?

Nichts geschah. Nachdem eine Zeit vergangen war, wurden wir immer mutiger.

Zuerst robbte Butzi in die Küche, von wo er einen Wandspiegel holte. Nun, über den Spiegel, konnten wir sehen, was sich auf dem Tisch zutrug. Das war aber herzlich wenig.

Also wurden wir immer tapferer.

Peter klopfte von unten an den Tisch, um das Nitroglyzerin zu erschüttern und so zur Explosion zu bringen. Ich habe mir fast in die Hosen gemacht. Danach hielt ich zitternd den Spiegel, während Butzi mit einem Ästchen, an dem ein in Petroleum getauchter und angezündeter Lappen hing, die Lage durch den Spiegel peilend, die paar Kubikzentimeter Nitroglyzerin zur Explosion zu bringen versuchte.

Nichts geschah.

Nun nahm Butzi todesmutig das Probiergläschen in die Hand, während wir andern uns schnell in sichere Entfernung brachten.

Ein Tropfen auf einen Stein (wie im Film).

Wieder nichts !

Aus größerer Höhe noch ein Tropfen auf einen Stein. Nichts geschah. Mit Verachtung schüttete er den Inhalt in sein Krötenbassin (Siehe Etti)

Experiment gescheitert!

Später analysierend, haben wir angenommen, dass Butzis Mutter die Schuld trug, weil sie Zitronensaft dem Glyzerin beigemengt hatte, um es für ihre abgearbeiteten Hände zu gebrauchen. Versucht aber haben wir es nicht mehr. Wir waren damals 13 und 14 Jahre alt.

Als im Frühjahr 1952 der junge Abiturient und spätere Chemielehrer Adlef, der unsere Chemielehrerin vertrat, die auf Anweisung der Stadtbehörde in 48 Stunden die Stadt verlassen musste, von unserem gescheitertem Experiment erfuhr, machte er sich zu Hause an die Arbeit.

Am nächsten Tag kam er mit verbundenen Händen in die Schule. Was er zusammengebraut hatte, ist mir nicht klar, auf jeden Fall war er so vorsichtig und hat aus seiner Büchervitrine eine Glasscheibe herausgenommen und vor sein Gesicht gehalten, bevor er sein brisantes Gemisch, über der Spiritusflamme schüttelnd, erhitzt hat.

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Jahre später packte mich der Höhlenmikrob.

Anhand meiner damals verbotenen Schuler-Hohenstein-Karte suchte ich mit meiner Jugendgruppe und Freunden alle darin verzeichneten Höhlen auf.

Grotte am Schneckenberg, Höhle im Zinnensattel, Ockerhöhle am Großen Hangestein, Höhle bei den Salomonsfelsen, Eishöhle am Ausläufer des Hohensteins, Dolinen bei der Rabenspitze, Milchsteinhöhle u. s. w.

Wir seilten uns 40 m in die Doline Goldloch ab, bauten kleine Wehre aus Ästen in der Flintschhöhle damit das eingeschwemmte Geröll beim Eindringen des Schmelzwassers im Frühjahr sie auswaschen sollte um das Durchklettern in die Gutheilhöhle wieder zu ermöglichen. Ein Luftzug war vorhanden.



Ein abgewetztes Kletterseil, ein zweites Seil zur Sicherung, Overall aus der Arbeit, Bergmannslampe die mein Vater aus Russland mitgebracht hatte sowie ein alter Filzhut, der den Kopf schützte, war die Ausrüstung. Dazu kam noch eine Taschenlampe.

Was wir suchten?

Die Schönheit der Unterwelt. Kenntnisse über diese Naturwunder. Gleichzeitig war es eine Herausforderung in enge Röhren zu kriechen, nicht wissend ob man nicht stecken bleibt, wobei sich die Kleider verhackten und man von hinten herausgezogen werden musste, was auch mir zugestoßen ist und ich dabei dachte: „Könnte ich jetzt nicht zu Hause auf dem Kanapee mit einem Buch in der Hand liegen?“

Auch Vertreterinnen des weiblichen Geschlechtes machten oft mit. Und da kam es einmal vor, dass einer, vom einem nachrückenden der Büstenhalter aufgemacht werden musste, weil sie weder vor noch rückwärts konnte.

Faszinierend war das Klettern in engen Spalten, (Kaminklettern) wo man sich klassisch mit den Beinen an beiden Felswänden abstützen konnte. Einen Vorteil hatten wir mit unserer kargen Beleuchtung und zwar, dass wir nicht sehen konnten welche Tiefe sich unter uns auftat.

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Eines Tages kam ein Sturzbach im Tal des Rosenauer Bades herunter. Als das Wasser abgeflossen war, kletterten einige beherzte Rosenauer in die Öffnung des Berges und entdeckten somit diese einmalige Höhle.

Leider blieb sie von Vandalismus nicht verschont. Am Weg bis weit ins Dorf hinein konnte man abgebrochene Stalagmiten und Stalaktiten aller Größen sehen.

Als uns die Existenz dieser Höhle, die bis dahin von Menschen unberührt war, bekannt wurde und wir erfuhren dass es noch einen anderen Ausgang gab durch den man nur durch geschicktes Klettern ins Freie gelangen konnte, waren wir nicht mehr zu halten. 6 bis 10 Stunden hielten wir uns in ihr auf und durchforschten jeden Spalt.



Der obere Eingang ist eine Dolinenöffnung die in eine Kammer mündet. Von hier, aus einem engen Loch im der Wand in Form einer Backofenöffnung, unten gerade, oben gewölbt, gelangt man in einen 8 - 15 m hohen und 0,5 - 1,5 m breiten, etwa 100 - 120 m langen Spalt, der im großen Saal mündet. Die im Spalt eingeklemmten Felsblöcke musste man drüber oder drunter durchkriechen.

Die Saaldecke war vollkommen mit Stalagtiten aller Größen behangen.



An den Seiten befanden sich starke Tropfsteinsäulen. Eine war besonders, ca. 3m hoch, 80cm breit und 2cm dick. Wenn man eine Lichtquelle dahinter stellte, konnte man sie durchschimmern sehen. Auch gab sie beim Anklopfen einen schönen tiefen Ton von sich.

Am Boden befanden sich meist abgefallene Stalaktiten. Nur am Saalrand befanden sich Stalagmiten und Säulen. Das deutet darauf hin dass hier Jahrtausende ein See war so dass sich die kalkhaltigen Tropfen am Boden nicht ansetzen konnten.

Die Mitte war vertieft und ein gewölbter Korridor mit glatten Wänden dessen Boden aus Sand bestand führte nach ca. 60 m ins Freie. Den Korridor hatten Rosenauer ausgebuddelt so das man in gebückter Haltung hineingehen konnte.

20 Jahre später war der Korridor fast gänzlich versandet.

Herr Karl Zoor, ein Arbeitskollege, der zur Gruppe der Höhlenforscher des Burzenländer Museums gehörte, sagte mir das sie den oberen Einstieg gekannt hätten. Da es aber ein sehr enger Dolineneingang war, vermuteten sie keine historischen Funde hier zu machen und sind nicht weiter in die sehr engen von Wasser ausgewaschenen Röhren eingestiegen.

Wären die Herrn vom Burzenländer Museum richtig eingestiegen, hätten sie vielleicht das Glück gehabt in den großen von Menschen unberührten Saal zu gelangen, in dem sich ein See befand. Ein Traum für jeden Höhlenerkunder.

Das wäre etwas ganz Besonderes gewesen, wohin nicht jeder Raudi gekommen wäre.

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Mitte der 50er hatte eine Gruppe sächsischer Jugendlicher 2 Jahre lang versucht die Grinddoline am Königstein auszubuddeln. Aber leider machte im Winter eine Lawine ihre Arbeit zunichte.

Meiner Bukarester Freundin erzählte ich begeistert von dieser Höhle und vom Klettern darin. Dabei sagte ich so nebenbei, dass ich sie nur heirate, wenn sie mit mir durch diese Höhle klettere.

Nachdem wir Monate später diese Höhle besucht hatten und durchgeklettert waren, gestand sie mir, dass sie lange Zeit vorher Albträume davon gehabt hätte.

Ich habe Wort gehalten und Marianne geheiratet. Vorher aber die Hauptstadtflachlandpflanze gut getestet. Wir sind weiterhin über 50 Jahre durch dick und dünn gegangen.

Höhlen haben wir immer wieder besucht.

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Zurück zur Milchsteinhöhle.

Die Höhle verläuft schräg aufwärts. Durch die Feuchtigkeit rutschten in den Jahrtausenden die im abgefallenen Milchstein eingebetteten Skelette der Höhlenbären gegen den Höhlenausgang nach unten, so dass die Skelette auseinandergeschoben wurden. So findet man nur gelegentlich zusammen abgelagerte versteinerte Skelettteile. Auch können die Knochen von anderen Tieren verstreut worden sein.

Ich habe viele Freunde und Bekannte zu jeder Jahreszeit in diese Höhle geführt. Besonders freute es mich wenn ich versteinerte Höhlenbärenzähne fand.

Als Marianne als Reiseleiterin DDR Jugend - Touristen in der Schulerau betreute, (siehe Tourismus 1967) machte ich mit einigen Gruppen Nachtwanderungen zu dieser Höhle .

Bei einer dieser Höhlenbesuche fand ich den halben Unterkiefer eines Höhlenbären. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen perfekten halben Unterkiefer fand. Ein besonderes Glück.

In der Jugendtouristgruppe war auch ein Geologe.

„Der Knochen wird bestimmt mehr als 100 Lei wert sein“, hörte ich ihn sagen. Danach „ Der Knochen wird bestimmt mehr als 200 Lei wert sein.“ Seine Augen konnten sich nicht von ihm trennen. 200 Lei war das ganze Geld welches ein Jugendtourist in Rumänien eintauschen durfte.

Ich sah ihn mir an. „Hier hast du ihn, mach damit Siebenbürgen mit seiner wunderschönen Karpatenwelt bekannt.“

6 Jahre später schickte mir, Dipl. Geologe Dieter Berger diese Blätter. Sein Bericht war in der Fachzeitschrift „Der Aufschluss“ der Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie e.V. erschienen.

Herr Prof. Herbert Poellmann vom Institute for Geological Sciences Mineralogy/Geochemistry hat mir die Erlaubnisse erteilt diesen Artikel hier bekannt zu machen.









Dieter Berger war kurz zuvor aus der DDR nach Polen ausgewandert. Heute lebt er im Taunus, wo er eine geologische Fachbuchhandlung betreibt.

1984 besuchte ich ihn dort. Stolz zeigte er mir den versteinerten Unterkiefer aus der Milchsteinhöhle auf dem der Ort, das Datum, sowie mein Name als Finder stehen.

Diesen halben Unterkiefer für das Siebenbürgische Museum in Gundelsheim von ihm „frei zu eisen“ ist mir leider nicht gelungen.

Von der Milchsteinhöhle selbst habe ich nur einige interessante schwarz/weiß Aufnahmen, die ich im Winter dort gemacht hatte.



Die Eisstalagmiten haben eine besondere Kegelform.



Sie bilden sich nahe des Einganges der Höhle.







Die Wassertropfen die von der warmen Höhlendecke fallen,
gefrieren im kalten Eingangbereich der Höhle und bilden kegelförmige Eisstalagmiten.



Dieses Bild „Partner“ wurde in mehreren Fotosalons in Rumänien angenommen.



Wie man hier sieht, hat es auch die besondere Aufmerksamkeit eines Filmteams geweckt.

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Unlängst erzählte mir ein Freund, dass er eine Höhle in Spanien besucht habe. Dabei holten sie eine Gruppe Rumänen ein. Da hörte er einen sagen: „Mai, aici poti lasa o basina. Aici nu te cunoaste nimeni. (Du, hier kannst du einen Furz lassen, hier kennt dich keiner)“.
„Trageo frate, trageo. (Schieß los Bruder, schieß los)" sagte er ihm beim Vorbeigehen.

Ja, so etwas kann man in einer Höhle auch erleben.

Es wäre noch manches zu berichten.



Schön war die Jugend, sie kommt nicht mehr.

Wir waren arm wie Kirchenmäuse, aber reich an Tatendrang und somit sind wir es auch an Erlebnissen.