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Hochzeit in
Deutsch-Weißkirch







Einblick in meine DVD

Hochzeit Dietmar Hamrodi und Sigrid Orend
in Deutsch-Weißkirch, Siebenbürgen


Festgehalten Sonntag, 17. August 1980.




Eine Familie aus der DDR hatte sich angesagt uns per Auto zu besuchen.

Ja, ein Auto! Das musste man im Interesse aller nutzen und dorthin fahren, wohin ich persönlich nicht die Möglichkeit hatte hinzukommen.

So kam es, dass ich einen Besuch zur Kirchenburg von Deutsch-Weißkirch vorschlug.

Dort angekommen sahen wir, dass sich die Dorfbewohner bei einem Haus versammelten.



Hier war eine Hochzeit im Gange!
Wir baten fotografieren zu dürfen und wurden gleich herzlich zur Hochzeit eingeladen.



Brautführerin Luffy Elwine, geborene Fernolend, gab mir ein kurzes Interview darüber,
wie die Hochzeit abläuft.



Die Braut zog sich um



während wir am Frühstück teilnahmen.



Danach folgte das Abverlangen der Braut mit althergebrachten Formeln:

Brautführerin Frau Luffy Elwine
Erst möchten wir dem lieben Gott danken für seine große Güte und Barmherzigkeit und schuldigst den treubarmherzigen Gott anrufen, der auch ferner seine väterlich-göttliche Hand über uns halten wird.
So ist es Brauch und recht, dass wir vom Bräutigam geschickt werden seine geliebte Braut zu seiner Lebensgefährtin zu verlangen, wir würden Euch bitten, uns zu helfen diesen kirchlichen Ehrendienst zu bestellen, damit wir dem jungen Paar ihren Wunsch erfüllen und sie auf ihrem Lebensweg begleiten.

Vater
Herzlichen Dank für Gottes Güte und Barmherzigkeit. Wir rufen ihn an, auch wieder seine göttliche Hand über uns zu halten, und uns nicht mehr aufzuerlegen als tragbar ist.
Ferner ist uns bekannt, dass das junge Paar längere Zeit miteinander geredet und sich Treue versprochen hat und heute vor den heiligen Altar treten, dass sie sich trauen lassen und weil ihr gekommen seid und sie uns verlangt, so werden wir sie euch geben.





Auf dem Weg zur Kirche.







Links Bräutigam. Rechts Brautknecht.







Bei der Hochzeit fiel uns ein DDR-Bürger in unserer Tracht auf.
Drei Monate später erhielt ich von unseren Freunden einen Artikel, den sie in einer kirchlichen Zeitung der DDR gefunden hatten.

Herr Quasdorf
aus der DDR schrieb in der Wochenzeitung „Die Kirche“:

Von einer großen Hochzeit im August 1980 in einem kleinen versteckten Dorf in der Nähe von Rupea, zu Deutsch Reps, will ich berichten. Die Ansiedlung stammt aus dem 12. Jahrhundert.

In Deutsch-Weißkirch befindet sich eine der ältesten und größten Kirchenburgen Siebenbürgens.



Sie thront auf einem kleinen Hügel über der Ansiedlung, die etwa 700 Einwohner umfasst.
Zur dortigen deutschen Gemeinde zählen 400 Seelen. Davon waren 300 als Gäste geladen.

Nach alter Sitte trug jeder zur Hochzeitsvorbereitung bei. Der geladene Gast brachte Mehl, Zucker, Milch, Eier, Büffelrahm usw. ins Hochzeitshaus. Gemeinsam wurde dort gekocht und gebacken.



Die Vorbereitungen begannen am Dienstag vor der Hochzeit. Brot und Kuchen wurden in einem Holzofen im Hof der Braut gebacken. Am Freitag musste dann ein schweres Schwein sein Leben lassen.

Und am Abend kam die Jugend die Braut aufdecken.

Im übervollen Zimmer drängten sich die jungen Leute. Auf dem Tisch standen verdeckte Schüsseln. Dann kamen noch einmal soviel Mädchen und Jungen mit dem Bräutigam. Er musste seine Braut, die im Zimmer versteckt war, suchen. (Erklärung meinerseits: Von 3 mit weißen Tüchern verdeckten Frauen musste er seine Braut erraten.) Dabei stand ihm ein Brautknecht zur Seite.

Die Sätze, die bei der Ankunft und im Laufe des Abends gewechselt wurden, gingen auf feststehende Formulierungen zurück.



Über 200 Hühner wurden am Sonnabendvormittag geschlachtet und nach siebenbürgischem Brauch trafen sich die beiden Familien und die Gäste zum traditionellen Freundschaftsessen am Abend.

Der Sonntag begann für die Hochzeitsgäste mit einem fliegenden Frühstück und für die Gemeinde mit dem Gottesdienst. Nach dem Frühstück sammelten sich die Hochzeitsgäste vor der Kirchenburg, wo der Gottesdienst schon begonnen hatte.

Nach der Trauung spielte eine Kapelle drei Reigen.



Anschließend ging es zum Gaben, d. h. die jungen Eheleute nahmen Geschenke in Empfang.

Ein besonderer Brauch sieht vor, dass Braut und Bräutigam nach der Trauung zu den Gegeneltern gehen und mit einfachen Worten um die Aufnahme als Schwiegersohn bzw. Schwiegertochter bitten.



Es folgte ein gewaltiges Mittagsmahl, an welchem über 300 Personen teilnahmen. Daran schloss sich ein Tanzvergnügen an, bei dem zu sehen war, dass die Siebenbürger meisterhafte Tänzer sind. Bevorzugt wird Polka.

Am Nachmittag begab sich die junge Braut zur Einleitkirche. Während alle vor der Kirche warten mussten und sich 2 Brautfrauen zur Wache vor dem Burgtor aufgestellt hatten, war die Braut mit dem Pfarrer allein in der Kirche. Nach dieser geheimnisvollen Zeremonie, die gar nicht so geheimnisvoll ist, tollte der Zug, der noch vor kurzem so würdig den Kirchberg hinaufgeschritten war, mit lautem Hallo und dem Singspruch: „Leute habt ihr gesehen, unsre junge Braut ist schön“, ins Dorf hinab. Dabei wurde allen Leuten Schnaps angeboten.

Unterwegs sollte der Brautraub stattfinden, aber er misslang. Die Braut wurde gut geschützt. Und wieder ging es ans Tanzen, bis gegen 10 Uhr das Abendbrot serviert wurde. Danach wurde weiter getanzt. Einige kapitulierten bald nach Mitternacht. Das rauschende Fest ging jedoch erst um 4 Uhr in der Früh zu Ende, nicht ohne ein weiteres Nachtmahl. Am Montagabend schloss die Hochzeit mit einem ausgiebigen Resteessen.

Die fleißigen Hände, die das alles ermöglicht hatten, durften endlich nach einer Woche harter Arbeit ausruhen.

Mit dem großen Aufwand war diese Hochzeit eine der größten und schönsten gewesen, die in Siebenbürgen heute noch möglich sind.

Es war eine Hochzeit wie sie nur noch Wenigen zu erleben vergönnt sein wird. Wer sie als Fremder miterlebte, hat eine unvergessliche Erinnerung an eine noch lebendige jahrhundertealte Tradition, deren Ende sich nun aber abzuzeichnen beginnt.

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Herr Quasdorf hatte das, was wir alle spürten, richtig erfasst.

Das wir nicht einzeln verkauft würden, sondern der Tag kommt, an dem alle Siebenbürger Sachsen die Gelegenheit ergreifen können, und es bis auf wenige auch tun, in ihre Urheimat auszuwandern, um ihren nachkommenden Generationen den Kampf um das Schicksal einer untergehenden Minderheit zu ersparen, das hatte damals keiner geahnt.

Heute, 2008, leben noch 22, meist ältere Sachsen im Dorf.

Deutsch-Weißkirch ist seit 1999 in die Liste der Unesco aufgenommen.

Die Eminescu-Stiftung aus London hat sich der Erhaltung des Dorfcharakters angenommen.

Prinz Charles hat den Ort des Öfteren besucht.

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Meine Dia-Tonmontage der Hochzeit der Familie Dietmar Hamrodi, mit Originalton vor Ort habe ich auf eine DVD gebrannt.

Sie ist ein einmaliges Zeitdokument 850jährigen auslandsdeutschen Kultur,
die heute in Auflösung begriffen ist.


E-Mail: Wilhelm.roth@gmx.de

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Info über die Ortschaft Deutsch-Weißkirch