
Pe urmele copitelor cailor morti.
(rum. Sprichwort)
Auf den Spuren der Hufe toter Pferde.
April 2003
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Auf den Spuren der Hufeisen toter Pferde.
Pe urmele copitelor cailor morti.
Es war in den 50er Jahren.
Ich gehörte zu jenen, die nach drei Jahren Technischer Abendmittelschule, wie viele andere, die solche Tagesmittelschulen
besucht hatten,
nach staatlich verordneter Auflösung, vor einem Scherbenhaufen standen und im Abendlyzeum der Honterusschule weiter machten.
Es war kein Honiglecken – nach acht Arbeitsstunden täglich noch 4 Stunden Abendschulbesuch. Die Professoren gaben
sich die größte Mühe mit uns. Prof. Spiru Hoidas hat sogar "elf Einser" in einer der ersten Lateinstunden in einer achten
Klasse als "Ansporn" verteilt. (10 war damals die Bestnote, mit 5 kam man noch durch. Sie hatten das ganze Jahr daran zu nagen)
In jenen Jahren hielten Pfr. Lothar Schullerus in Bartholomä Sonntag Abend und Pfr. Dr. Konrad Möckel in der Innenstadt
unter der Woche, Jugendstunden. Das waren damals "die" 2 Anlaufpunkte der Deutschen Jugend in Kronstadt.
Für Pfr. Dr. Konrad Möckel und drei Jugendliche wurde dafür, 1958 vom Staatsanwalt des Klausenburger Militärgerichts die
Todesstrafe beantragt. Ihre Bemühungen den Untergang der sächsischen Minderheit zu verzögern sowie die Ereignisse in
Ungarn 1956 hatten zu ihrer Verhaftung geführt. Zu der Zeit befanden sich 160.000 politische Häftlinge in den
rumänischen Gefängnissen
Von meinem Arbeitskollegen hatte ich erfahren, dass Prof. Rudolf David bei Pfr. Möckel Sachsengeschichte vortrug. Darauf
bat ich Pfr. Schullerus, auch in Bartholomä uns Sachsengeschichte vorzulesen. Er sagte, das sei nicht möglich, da alles was
er tue, vom Staatssicherheitsdienst, der Securitate, scharf beobachtet würde. Er dürfe nur im eng begrenztem Rahmen der
Kirche tätig sein.
Mir war bewusst dass nur die Minderheit, die ihre Geschichte kennt, bessere Überlebenschancen hat.
Aber wo und wie sensibilisiert man die junge Generation für ihre Geschichte?
Ich dachte mir, unter den damals ungefähr 200 Abendschüler sind bestimmt mehrere Interessenten und einmal angestoßen,
sich das Interesse für die eigene Geschichte bei uns Jugendlichen wie ein Lauffeuer ausbreiten würde. Daraufhin bat
ich Prof. David, uns wöchentlich, am Sonnabend nach Schulschluss, in der Aula des Gymnasiums Sachsengeschichte
vorzutragen.
Er sah mich zuerst ungläubig an, weil er es für eine zusätzliche Belastung für uns hielt, die wir täglich 8 Stunden
arbeiteten und danach jeden Abend noch jahrelang den Lehrstoff des Tageslyzeums mit einem Jahr Verlängerung erlernten.
Er sagte zu.
Von da an hielt am Sonnabend Abend Prof. David für uns Abendschüler Sachsengeschichte.
Die Aula konnte die Zahl der Schüler kaum fassen. Viele nahmen sich stehend von 21:30 bis 23 Uhr Notizen.
In den letzten zehn Jahren waren kaum Bücher zu dieser Thematik erschienen, und in den Geschichtsstunden, die uns in der
Schule vorgetragen wurden, fehlte dieses Kapitel gänzlich.
Im Fernsehen sah ich einmal eine Sendung über die mittelalterlichen
Befestigungsanlagen von Kronstadt und Rosenau. Dabei wurde erwähnt dass sie von der Bevölkerung aus dem Tal gebaut worden
waren. Auf diese Art umging man die Leistungen der Siebenbürger Sachsen im damaligen Rumänien.
Ein Bekannter M. W. der im Jahr 2000 in Kronstadt bei seinem Hochschulabsolvententreffen war, berichtete mir das er seinen
Tischnachbar gefragt hat, was er über die Siebenbürger Sachen wissse. Zur Antwort bekam er: "Nun die Deutschen sind nach
dem ersten Weltkrieg hier geblieben."
So ist es verständlich das wir gebannt an den Lippen unseres Prof. David hingen.
In einer dieser Stunden erzählte er uns von der Schlacht am Lechfeld, dass dort die Ungarn vernichtend geschlagen wurden
und dass man hier auch heute noch manchmal Hufeisen von ihren Pferden finden würde.
Das Schicksal hat mich nach einem Vierteljahrhundert nach Augsburg verschlagen. Das Lechfeld liegt hier sozusagen vor der
Tür. Die Spuren der Ungarnangriffe sind in Augsburg noch zu sehen.
Hufeisen? Nun gut. Bei Arbeitskollegen mal nachgefragt. Vergebens. Beim Geschichtswissenschaftler nachgefragt. Genauer
Ort der Schlacht ist unbekannt.
Hufeisen? Prof. David sprach von Hufeisen!
In Graben, dem Ort aus dem die Fugger stammen, erzählte mir jemand, dass sein Schwager beim Ackern kleine Hufeisen gefunden
hätte..

Also doch! Bei einem Museumsbesuch in Tierhaupten (beides Orte im Tal des Lechflusses) sah ich dann zwei kleine Hufeisen,
die als Hunneneisen mit Fragezeichen ausgezeichnet waren. Hunnen, Ungarn, Fragezeichen – hier war das, wovon Prof. David
einst berichtet hatte.Die Historiker sagen dass zu der Germanenzeit die Pferde so klein waren dass die Reiter mit den Füssen
den Boden berühren konnten
In Budapest im Nemzetimuseum hatte ich das Grab eines ungarischen Anführers mit Pferdbeigabe gesehen. Da muss ich anknüpfen.
Ich konnte der Sache weiter nachgehen.
Die Hufe waren auffallend klein. Waren die Steppenpferde der Ungarn vor 1.000 Jahren tatsächlich so klein gewesen?
Passen die am Lech gefundenen Hufeisen zu den Hufen des Pferdeskelettes? Das wäre was!
Einige Jahre später stand ich im Budapest vor dem Museum. Doch leider war die Abteilung die mich interessierte wegen Umbau
geschlossen.
Doch ich ließ nicht locker, bis ich mit dem zuständigen Abteilungsleiter bei einem Kaffee saß und ihm in meinem Ungarisch
von Kronstadt, der Honterusschule, Prof. David, dem Lechfeld und den Hufeisen erzählte.
Er hörte mir geduldig zu. Danach sagte er mir in
seinem ungarisch gefärbten Deutsch. "Meine Herr, die Pferd der Ungarn ist vor 1000 Jahr mit kein Hufeisen!“
Na prost, David, David!
Leider kann ich dir nicht berichten, dass mich ein von dir ausgesprochener Satz ein halbes
Menschenleben "auf die Hufe toter Pferde" angesetzt hat. Hattest du es damals nur bildlich gemeint, oder wusstest du,
dass man in der Ebene des Lechflusses kleine Hufeisen findet, die ich in der Zwischenzeit auch auf Antikflohmärkten gesehen
habe?
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